Einleitung
Wenn es in der Tiefkühltruhe der Aktienmärkte ein Filetstück gibt, dann wäre es wohl Frosta. Seit Jahrzehnten zaubert das Unternehmen dampfende Pasta, knackiges Gemüse und goldbraune Fischfilets aus den Gefriertruhen Europas und sorgt für kulinarischen Minimalismus: Packung aufreißen, Pfanne an, fertig. Doch ist das Unternehmen auch für Investoren ein schmackhaftes Gericht oder verbirgt sich hinter der glänzenden Verpackung eine fade Rendite?
Das Geschäftsmodell
Frosta ist ein Pionier der Tiefkühlbranche und ein Meister der Einfachheit: Keine künstlichen Zusatzstoffe, keine Geschmacksverstärker, nur ehrliche Zutaten, die schmecken wie selbstgekocht – zumindest für alle, die nicht gerade ein Sternekoch sind. Das Reinheitsgebot von Frosta ist nicht nur ein Marketing-Gag, sondern ein Versprechen, das seit 2003 konsequent umgesetzt wird. Ein klarer USP in einer Branche, die oft auf fragwürdige Zusatzstoffe setzt, um Geschmack und Haltbarkeit künstlich zu verlängern.
Geld verdient Frosta auf zwei Wegen: Erstens mit seinen eigenen Premium-Produkten, die unter der Marke Frosta verkauft werden und sich in Deutschland, Italien und Polen als feste Größe in den Supermarktregalen etabliert haben. Zweitens mit der Produktion von Handelsmarken für große Einzelhändler. Das bedeutet: Auch wenn der Name Frosta nicht immer auf der Packung steht, steckt in vielen Tiefkühlprodukten das Know-how des Unternehmens.
Das Jahr 2024 zeigte jedoch, dass nicht jedes Geschäftsfeld gleichermaßen glänzt: Während das Markengeschäft um beeindruckende 13,5 % wuchs und dem Konzern einen Umsatzsprung von 39 Mio. EUR bescherte, stagnierte der Gesamtumsatz bei 638 Mio. EUR. Die Gründe? Das Handelsmarkengeschäft und das Out-of-Home-Segment (Gastronomie und Großverbraucher) schwächelten. Besonders im Gastgewerbe zeigte sich die Zurückhaltung der Konsumenten: Hier verlor Frosta 4 Mio. EUR Umsatz (-4,4 %), und die bewusste Entscheidung, unrentable Handelsmarkenverträge auslaufen zu lassen, kostete weitere 36,7 Mio. EUR Umsatz.
Doch trotz der Herausforderungen bewies Frosta seine Resilienz: Der Konzernjahresüberschuss stieg um satte 23,3 % auf 42 Mio. EUR, dank eines klugen Portfolio-Mixes mit Fokus auf das wachstumsstarke Markengeschäft. Die operative Marge konnte auf 6,6 % verbessert werden – ein solides Fundament für weiteres Wachstum. Mit einer gestärkten Eigenkapitalquote von 56,7 % und einer verbesserten Liquidität steht Frosta finanziell stabil da.
Die Strategie für die Zukunft? Noch mehr Fokus auf Innovationen wie pflanzliche Fischalternativen, nachhaltige Verpackungen und eine stärkere Durchdringung des Gastronomie- und Lieferservice-Marktes. Ob das reicht, um langfristig gegen die wachsende Konkurrenz von Handelsmarken und Tiefpreis-Anbietern zu bestehen, wird sich zeigen. Sicher ist nur: Frosta setzt nicht auf billige Tricks, sondern auf Qualität. Die Frage ist, ob die Verbraucher bereit sind, dafür dauerhaft einen Premium-Preis zu zahlen.
Die Branche & der Wettbewerb
Die Tiefkühlbranche gleicht einem frostigen Schlachtfeld: Der Markt ist gesättigt, die Konkurrenz hart, und wer nicht agil bleibt, erstarrt schneller als ein Fischfilet im Schnellfroster. Während die allgemeine Nachfrage nach Tiefkühlkost in Deutschland, Italien und Polen 2024 um 0,6 % zurückging, hat sich Frosta als kühner Kämpfer behauptet und sein Markengeschäft um satte 16,1 % gesteigert. Besonders bei Fertiggerichten konnte das Unternehmen ein beeindruckendes Wachstum von 21,1 % verbuchen. Ein Beweis dafür, dass Verbraucher durchaus bereit sind, für Qualität und Transparenz zu zahlen – zumindest, wenn ihr Geldbeutel es zulässt.
Doch der frostige Wind weht rau: Giganten wie Nestlé und Iglo beherrschen den Markt mit globaler Schlagkraft, während Discounter mit ihren Eigenmarken gnadenlos an den Preisschrauben drehen. Die Markentreue der Kunden? Eher eine lose Affäre als eine Ehe auf Lebenszeit – ein paar Cent Preisunterschied, und schon landet die Konkurrenz im Einkaufswagen. In diesem Umfeld muss Frosta mit Innovation und Markenstärke punkten. Das Reinheitsgebot ist hier mehr als eine nette Werbebotschaft – es verleiht der Marke ein Profil, das sich in einem Meer austauschbarer Tiefkühlprodukte abhebt.
SWOT-Analyse
Stärken:
- Bekannte Marke mit hoher Wiedererkennbarkeit
- Reinheitsgebot als USP in einem gesichtslosen Markt
- Solide Bilanz und langfristig orientierte Unternehmensführung
- Starkes Umsatzwachstum der Marke Frosta (+13,5 % im Jahr 2024)
- Steigerung des Konzernjahresüberschusses um 23,3 % auf 42 Mio. EUR
- Hohe Eigenkapitalquote (56,7 %) und verbesserte Liquidität (Current Ratio 196,7 %)
Schwächen:
- Preislich oberhalb vieler Wettbewerber – in Krisenzeiten kein Vorteil
- Wachstum außerhalb der Kernmärkte zäh
- Keine technologischen oder patentrechtlichen Schutzmechanismen
- Umsatz stagnierte 2024 bei 638 Mio. EUR (-0,2 %)
- Rückläufiger Umsatz im Out-of-Home-Segment (-4,4 %)
Chancen:
- Trend zu gesunder, nachhaltiger Ernährung spielt Frosta in die Karten
- Expansion in den Außer-Haus-Markt (Gastronomie, Lieferservices)
- Innovationspotenzial durch neue Produktlinien (vegane Optionen, High-Protein-Produkte)
- Nachhaltige Verpackungslösungen und CO2-neutrale Produktion als Wettbewerbsvorteil
Risiken:
- Rohstoffpreise und Lieferkettenprobleme könnten Margen belasten
- Handelsketten könnten eigene Marken weiter ausbauen
- Verbraucher sind preissensibel – ein hoher Preispunkt könnte Umsätze drücken
- Energiepreise bleiben ein Unsicherheitsfaktor
Fairer Wert
Aufgrund der Tatsache, dass nur wenige Analysten die Aktie covern, liegen keine ausreichenden Schätzungen für die kommenden Jahre vor, um meine Scorecard zu befüllen. Daher habe ich die Sicherheitsmarge auf 5% festgelegt.
Frosta wurde in den letzten Jahren mit einem KGV von durchschnittlich 19 bewertet. Aktuell liegt das KGV bei gerade einmal 10. Wenn man für die kommenden Jahre aufgrund der guten Aussichten ein KGV von 15 ansetzt, ist das aus meiner Sicht nicht zu viel. Im Gegenteil: Für ein Unternehmen im Bereich der nicht-zyklischen Konsumgüter, das zudem attraktiv wächst, ist das mehr als nur fair.
Aufgrund erhöhter Risiken bei Small Caps verwende ich außerdem einen Diskontsatz von 12% (anstelle der sonst üblichen 10%). Bei diesen Annahmen komme ich so auf einen fairen Wert von 79 EUR. Bei einem aktuellen Kurs von 81,50 EUR steht die Aktie somit sehr weit oben auf meiner Kaufliste.
| Aktie | FRoSTA AG | Jahre | EPS | DPS |
|---|---|---|---|---|
| Faires KGV | 15 | 2024 | 6,18 | 2,4 |
| Diskontsatz | 12,0% | 2025 | 6,49 | 2,52 |
| Aktueller Aktienkurs | 81,50 | 2026 | 6,81 | 2,65 |
| Sicherheitsmarge | 5,0% | 2027 | 7,15 | 2,78 |
| Potential | -3,58% | Fair Value | 79 | EUR |
Fazit: Sollte man investieren?
Frosta ist ein bodenständiges Unternehmen mit ehrbaren Zielen. Wer eine Aktie mit soliden Werten, einem Schuss Nachhaltigkeit und einer ordentlichen Dividende sucht, könnte hier zugreifen. Wachstumspotenzial ist da – insbesondere im Markengeschäft –, aber das Unternehmen muss sich gegen einen harten Wettbewerb behaupten. Die Aktie ist aktuell sehr fair bepreist, bei 79 EUR sehe ich persönlich einen guten Einstiegspunkt.
Fazit: Eine Aktie für Liebhaber gediegener Qualität, nicht für Jagdhunde auf der Suche nach dem nächsten Rendite-Happen. Und wer weiß? Vielleicht wird aus der soliden Hausmannskost eines Tages doch noch ein Gourmet-Gericht.
Disclaimer
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Es handelt sich lediglich um meine persönlichen Gedanken und Analysen. Jeder Investor sollte seine eigene Recherche betreiben und individuell abwägen, ob eine Investition zu seiner persönlichen Strategie passt. Vergangene Wertentwicklungen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Investieren erfolgt stets auf eigenes Risiko.







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