Künstliche Intelligenz (KI) ist nicht nur ein Hype – sie ist eine Zeitenwende. So groß wie das Internet. Vielleicht größer. Doch diese neue Welt braucht Treibstoff – und der heißt: Energie. Viel Energie.

Während wir noch debattieren, wie wir unsere Haushalte auf Wärmepumpen umrüsten, errichten die großen Tech-Konzerne Rechenzentren in der Wüste – mit dem Stromverbrauch kleiner Städte. Und plötzlich ist sie wieder da: Die Atomkraft. Lange geächtet, nun wieder umworben – als mögliche Lösung für den gewaltigen Energiehunger des digitalen Fortschritts.

Was hat das mit deinem Depot zu tun? Vielleicht mehr, als du denkst.

Der unterschätzte Stromhunger der Künstlichen Intelligenz

Die Entwicklung von KI-Modellen ist unglaublich energieintensiv. Während klassische Webdienste mit vergleichsweise wenig Strom auskommen, benötigen große Sprachmodelle wie GPT-4 oder Bildgeneratoren wie Midjourney riesige Mengen an Rechenleistung – bei Training und Anwendung.

Beispiel: Das Training von GPT-3 (2020) soll rund 1.300 MWh Strom verbraucht haben – das entspricht dem Jahresverbrauch von über 1.000 Haushalten. Seitdem sind die Modelle deutlich größer und komplexer geworden.

Hinzu kommt der Strom für die laufende Nutzung – also jedes Chat-Fenster, jede Bildanfrage, jede Analyse. Rechenzentren müssen 24/7 laufen, mit stabiler, unterbrechungsfreier Versorgung – sonst steht das globale KI-System still.

Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass sich der Stromverbrauch durch Rechenzentren bis 2030 verdreifachen wird – getrieben vor allem durch KI.

Erneuerbare reichen (noch) nicht

Natürlich setzen viele auf grüne Energie. Solarkraft, Windparks, Geothermie – ein zukunftsweisender Trend. Doch erneuerbare Energie ist volatil. Die Sonne scheint nicht nachts, der Wind lässt sich nicht bestellen. Speicherlösungen? Teuer und noch nicht in industriellem Maßstab einsetzbar.

Das Problem: Rechenzentren brauchen konstante Grundlastversorgung. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Nicht speicherbar, sondern planbar. Genau das, was Atomkraft liefern kann – zuverlässig, emissionsarm und unabhängig von Wetter oder Uhrzeit.

Atomkraft – das Comeback einer ungeliebten Lösung?

Atomkraft war über Jahrzehnte hinweg das schwarze Schaf der Energiepolitik – ein Paria, der für technologische Hybris, radioaktive Altlasten und menschliches Versagen stand. Die verheerenden Reaktorunglücke von Tschernobyl im Jahr 1986 und Fukushima 2011 veränderten die weltweite Wahrnehmung der Kernenergie fundamental. Viele Staaten vollzogen eine abrupte Kehrtwende. Der gesellschaftliche Konsens verschob sich: Weg von der nuklearen Stromerzeugung, hin zu erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne. Deutschland übernahm in dieser Hinsicht eine internationale Vorreiterrolle. Mit dem endgültigen Abschalten der letzten drei Atomkraftwerke im April 2023 erklärte die Bundesrepublik die Ära der Kernenergie für beendet – zumindest vorläufig.

Doch während man in Deutschland den Atomausstieg feierte und auf den zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien setzte, bahnte sich andernorts ein fundamentaler Kurswechsel an. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus pragmatischer Notwendigkeit. Der globale Energiehunger wächst – und mit ihm das Bedürfnis nach verlässlicher, grundlastfähiger und zugleich klimafreundlicher Stromversorgung. In diesem Spannungsfeld erlebt die Atomkraft ein bemerkenswertes Comeback.

China plant den mit Abstand ambitioniertesten Ausbau der Kernenergie weltweit. Mehr als 150 neue Reaktoren sollen dort bis 2035 ans Netz gehen. Ziel ist es, die enorme Nachfrage nach Strom zu bedienen, die in einer digitalisierten, urbanisierten und zunehmend elektrifizierten Gesellschaft stetig wächst – und gleichzeitig die Abhängigkeit von klimaschädlicher Kohle zu verringern. Auch Indien verfolgt ein umfassendes Kernenergieprogramm. Die Regierung setzt auf eine Kombination aus klassischen Druckwasserreaktoren und fortschrittlichen Brutreaktoren, um die Stromversorgung des Landes nachhaltiger und stabiler zu gestalten.

Frankreich, das traditionell stark auf Atomkraft setzt, investiert in neue europäische Druckwasserreaktoren (EPR), trotz hoher Baukosten und langwieriger Genehmigungsverfahren. Die Reaktoren gelten als Herzstück der nationalen Energiepolitik und sollen das Fundament einer weitgehend CO₂-freien Grundlastversorgung bilden. In den USA dagegen verfolgt man einen innovativeren Ansatz: Hier setzt man auf Small Modular Reactors, kurz SMRs – also kompakte, modulare Reaktorsysteme, die sich dezentral aufbauen und kostengünstiger betreiben lassen. Unterstützt wird die Entwicklung unter anderem durch private Initiativen wie TerraPower, ein von Bill Gates finanziertes Start-up.

Auch Kanada, Großbritannien und Finnland setzen auf neue Reaktortypen. Besonders die skandinavischen Länder integrieren moderne Kernkraftwerke in ihre ambitionierten Klimastrategien. Ziel ist eine Kombination aus technischer Innovation, Versorgungssicherheit und ökologischer Verantwortung.

Der technologische Wandel in der Nukleartechnik spielt dabei eine zentrale Rolle

Die Reaktoren der neuen Generation sind deutlich kleiner, flexibler und sicherer als ihre Vorgänger. Statt gigantischer Großanlagen, die Jahrzehnte in Planung und Bau verschlingen, dominieren heute skalierbare Konzepte mit deutlich kürzeren Bauzeiten. Viele SMRs sind innerhalb weniger Jahre betriebsbereit und lassen sich modular erweitern. Sicherheitsaspekte wurden dabei massiv verbessert. Neue Reaktorkonzepte arbeiten oft mit passiver Kühlung, was bedeutet: Selbst bei einem kompletten Stromausfall bleibt das System kontrollierbar. Eine Kernschmelze wird dadurch weitgehend ausgeschlossen.

Zudem wird intensiv an geschlossenen Brennstoffkreisläufen gearbeitet, die radioaktiven Abfall reduzieren oder wiederverwerten können. Einige Forscher setzen große Hoffnungen in Thoriumreaktoren oder Flüssigsalzreaktoren, die potenziell effizienter und sicherer arbeiten könnten. Wenn es gelingt, die Endlagerproblematik langfristig zu entschärfen, könnte das Image der Atomkraft auch gesellschaftlich rehabilitiert werden.

Atomkraft trifft KI – eine seltsame Allianz?

Die Künstliche Intelligenz verspricht, unser Leben grundlegend zu verändern – sie schreibt Texte, analysiert Daten, optimiert Prozesse und revolutioniert ganze Branchen. Doch bei all der digitalen Eleganz wird oft übersehen, dass KI ein ziemlich handfestes Grundbedürfnis hat: Strom. Und zwar nicht irgendeinen Strom, sondern grünen, konstant verfügbaren und hochzuverlässigen Strom. Denn KI-Systeme – insbesondere die großen Sprachmodelle und neuronalen Netze – benötigen für Training, Betrieb und Skalierung enorme Rechenleistung. Und diese Rechenleistung verschlingt Energie in einem Ausmaß, das den Stromverbrauch ganzer Länder übersteigen kann.

Immer mehr Tech-Giganten erkennen: Die Zukunft der KI braucht eine neue Form der Energieinfrastruktur. Und ausgerechnet die Atomkraft – einst als Auslaufmodell abgeschrieben – rückt wieder in den Fokus der Innovationstreiber des Silicon Valley.

Microsoft beispielsweise plant derzeit Rechenzentren, die direkt mit nuklearer Energie versorgt werden sollen. Dazu wurde eigens ein führender Nuklearexperte als „Director of Nuclear Technology“ eingestellt. Das Unternehmen prüft gezielt den Einsatz sogenannter Small Modular Reactors (SMRs), also kleiner, standardisierter Atomkraftwerke, die sich flexibel an bestehende Infrastruktur anbinden lassen. Ziel ist eine autarke, stabile Energieversorgung, die auch dann funktioniert, wenn das öffentliche Netz überlastet ist.

Auch OpenAI – selbst Großverbraucher von Rechenleistung und eng mit Microsoft verbunden – hat längst erkannt, dass Energieinfrastruktur zur strategischen Schlüsselressource wird. Berichten zufolge plant das Unternehmen milliardenschwere Investitionen in eigene Energieprojekte – darunter sollen neben erneuerbaren Energien auch nukleare Komponenten geprüft werden.

Amazon und Google sichern sich bereits heute langfristige Power Purchase Agreements (PPAs), also Strombezugsverträge mit festgelegten Laufzeiten, um sich stabile und vor allem emissionsfreie Strommengen zu garantieren. Dabei nehmen beide Konzerne auch Energieversorger mit Atomstromanteil in ihr Portfolio auf – ein klarer Hinweis darauf, dass der Wille zur CO₂-Reduktion nicht auf Kosten der Versorgungssicherheit gehen darf.

Es zeichnet sich ab: Die führenden Akteure der digitalen Wirtschaft positionieren sich strategisch im Energiemarkt – und sie tun dies nicht ideologisch, sondern technologisch-pragmatisch. In einem Umfeld, in dem jede Sekunde Downtime Millionen kosten kann, zählt vor allem eines: Versorgungssicherheit. Und genau das kann die Atomkraft in vielen Regionen bieten – mit einem nahezu konstanten Output, unabhängig von Wetter oder Netzbelastung.

Der Kapitalmarkt hat diesen Trend längst erkannt. Während klassische Energieunternehmen mit fossilem Fokus vielerorts unter ESG-Druck geraten, steigt das institutionelle Interesse an Unternehmen, die sich auf moderne Nukleartechnologien spezialisieren. Reaktorbauer, Brennstofflieferanten, Infrastrukturanbieter für SMRs – sie alle profitieren von der wachsenden Nachfrage nach grundlastfähiger Hochtechnologie-Stromversorgung.

Und genau hier wird es spannend für uns als Anlegerinnen und Anleger. Denn wo technologische Notwendigkeit auf politische Kursänderung trifft und dazu noch Kapital aus dem Silicon Valley fließt, entsteht nicht nur eine neue Energiepolitik – sondern auch ein neues Investitionsfeld.

Atomkraft als Investment: Welche ETFs bieten Zugang zur nuklearen Renaissance?

Wer die Renaissance der Kernkraft nicht nur aus der Zuschauerloge begleiten möchte, sondern als langfristig denkender Investor davon profitieren will, muss nicht gleich Uran-Fässer im Garten einlagern. Viel eleganter (und deutlich weniger strahlungsintensiv) ist der Zugang über spezialisierte börsengehandelte Fonds – sogenannte ETFs. Sie bündeln Unternehmen, die entlang der nuklearen Wertschöpfungskette aktiv sind: von der Uranförderung über Reaktortechnik bis hin zu Brennstoffverarbeitung und Infrastruktur.

Ein kurzer Zwischenruf für Feinfühlige: Atomkraft – moralisch vertretbar?
Ja, man darf bei all der Euphorie auch innehalten. Atomkraft ist nicht unumstritten. Wer ethisch-nachhaltig investiert, muss sich der Debatte um Endlager, Proliferation und Umweltfolgen stellen. Dennoch gilt: Moderne Nukleartechnologie ist – gemessen an CO₂-Ausstoß, Flächenverbrauch und Versorgungssicherheit – einer der effizientesten Energielieferanten. Wer also bereit ist, die Grauzonen dieser Energieform zu akzeptieren, kann durchaus guten Gewissens investieren. Das sollte jede(r) für sich klären.

Im deutschsprachigen Raum ist die Auswahl zwar überschaubar, aber dennoch interessant. Werfen wir einen Blick auf die aussichtsreichsten Kandidaten.

Global X Uranium UCITS ETF (ISIN: IE000NDWFGA5)

Der wohl bekannteste Atomkraft-ETF für europäische Anleger stammt vom Anbieter Global X. Dieser ETF bildet den Solactive Global Uranium & Nuclear Components Total Return Index ab. Enthalten sind sowohl Uranförderer als auch Technologieunternehmen, die Komponenten für Atomkraftwerke liefern. Zu den Top-Holdings zählen:

  • Cameco Corp. (Kanada, Uranförderung)
  • NexGen Energy
  • Kazatomprom (Kasachstan, größter Uranproduzent der Welt)
  • Denison Mines
  • BWX Technologies (US-Anbieter von Nukleartechnik und militärischer Reaktorinfrastruktur)

Der ETF ist physisch replizierend, thesaurierend und in Euro handelbar – also ideal für Langfristanleger, die einen automatischen Zinseszins-Effekt suchen. Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei 0,65 % – ein ordentlicher Preis für ein doch recht spezialisiertes Nischenthema.

Renaissance der Atomkraft: Investmentchance im KI-Zeitalter
Quelle: extraETF

VanEck Uranium and Nuclear Technologies UCITS ETF (ISIN: IE000M7V94E1)

Ein Neuling mit Ambitionen: Der ETF von VanEck wurde 2023 aufgelegt und positioniert sich bewusst breiter als ein reiner Uran-Fonds. Neben klassischen Uranminen enthält er auch Unternehmen, die sich mit Small Modular Reactors, neuer Reaktortechnologie, Brennstoffverarbeitung und nuklearer Infrastruktur beschäftigen. Besonders spannend: Auch Firmen, die von öffentlichen Förderprogrammen wie dem US-Inflation Reduction Act profitieren, sind hier vertreten.

Der ETF bietet also nicht nur Zugang zu Rohstoffen, sondern zur gesamten industriellen Wette auf eine nukleare Hightech-Zukunft. Die Gesamtkostenquote liegt mit 0,55 % etwas günstiger als bei Global X.

Renaissance der Atomkraft: Investmentchance im KI-Zeitalter
Quelle: extraETF

Sprott Uranium Miners UCITS ETF (ISIN: IE0005YK6564)

Dieser ETF konzentriert sich – nomen est omen – fast ausschließlich auf Uranförderer. Wer an die Angebotsknappheit im Uranmarkt glaubt und auf steigende Spotpreise setzt, findet hier ein fokussiertes Vehikel. Die Holdings ähneln jenen des Global X ETFs, jedoch mit einem noch stärkeren Gewicht auf Minenbetreiber wie Cameco, Paladin Energy oder Energy Fuels.

Der Fonds ist ebenfalls in Euro erhältlich, thesaurierend und physisch replizierend. TER: 0,85 %. Ein bisschen teurer, aber auch mit höherem spekulativem Potenzial – quasi das Uran-Zertifikat im ETF-Kleid.

Renaissance der Atomkraft: Investmentchance im KI-Zeitalter
Quelle: extraETF

L&G Clean Energy UCITS ETF – mit Atomanteil (ISIN: IE00BK5BCH80)

Wer nicht ausschließlich auf Atomkraft setzen möchte, aber dennoch an die Rolle der Kernenergie im Clean-Energy-Mix glaubt, kann sich auch breiter aufstellen. Der ETF von Legal & General bildet ein Portfolio aus rund 100 Unternehmen, die zu den globalen Clean-Energy-Leadern zählen – darunter NextEra Energy, Orsted, aber auch Constellation Energy und andere Nuklearakteure.

Ideal für konservativere Anleger, die nicht auf ein Pferd wetten, sondern auf das gesamte Rennen setzen wollen.

Renaissance der Atomkraft: Investmentchance im KI-Zeitalter
Quelle: extraETF

Fazit: Der atomare Wandel als Investmentchance?

Die Atomkraft ist zurück – nicht als Relikt der Vergangenheit, sondern als vielversprechender Pfeiler der Zukunft. Getrieben vom rasanten Anstieg des Energiebedarfs, insbesondere durch KI-Anwendungen und digitale Infrastruktur, entdecken Politik, Industrie und Kapitalmarkt die Kernenergie neu. Anlegerinnen und Anleger, die frühzeitig auf diesen Paradigmenwechsel setzen, könnten von steigender Nachfrage, technischen Durchbrüchen und staatlicher Förderung profitieren.

Natürlich: Atom-ETFs sind keine risikolosen Standardprodukte für jedes Depot. Doch als Beimischung – besonders für langfristig orientierte, technologieoffene Investoren – könnten sie einen spannenden Renditebaustein in der Energiewende darstellen.

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Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Es handelt sich lediglich um unsere persönlichen Gedanken und Analysen. Jeder Investor sollte seine eigene Recherche betreiben und individuell abwägen, ob eine Investition zu seiner persönlichen Strategie passt. Vergangene Wertentwicklungen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Investieren erfolgt stets auf eigenes Risiko.

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