Die Börse ist ein Ort voller Verlockungen. Jeden Tag prasseln unzählige Nachrichten, Empfehlungen und Kursbewegungen auf uns ein. Schnell entsteht das Gefühl, man müsse auf alles reagieren, ständig kaufen und verkaufen, und bloß keine Chance verpassen. Viele Anleger häufen mit der Zeit immer mehr Aktien an – das Depot wächst unkontrolliert, und irgendwann stellt man fest: Man hat eigentlich den Überblick verloren.
Genau das ist mir passiert. Über die Jahre habe ich viele verschiedene Titel gekauft, mal aus Überzeugung, mal aus Neugier, mal einfach, weil ich einen guten Tipp gehört habe. Doch irgendwann war mir klar: Ein Depot voller Aktien ist nicht automatisch ein besseres Depot. Im Gegenteil – zu viele Positionen verwässern die Rendite und sorgen für mehr Stress als nötig. Deshalb habe ich mich entschieden, die Zahl meiner Aktien zu reduzieren und mich stärker zu fokussieren.
Warum viele Privatanleger zu viele Aktien halten
Das Prinzip der „Diworsifikation“
Diversifikation ist eine der Grundregeln des Investierens. Schon Börsenlegende Warren Buffett sagte: „Setze nicht alles auf eine Karte.“ Ein breit gestreutes Portfolio schützt vor großen Verlusten, wenn eine einzelne Aktie schwächelt. Doch zu viel Diversifikation kann ins Gegenteil umschlagen – dann spricht man von „Diworsifikation“.
Peter Lynch, einer der erfolgreichsten Fondsmanager aller Zeiten, prägte diesen Begriff. Seine Beobachtung: Wer zu viele Aktien im Depot hat, ahmt im Grunde nur einen Indexfonds nach – allerdings schlechter, weil die Gewichtung unstrukturiert ist und man höhere Kosten und Aufwand hat.
Typische Gründe für ein überladenes Depot
Viele Anleger füllen ihr Depot aus den falschen Motiven:
- FOMO (Fear of Missing Out): Die Angst, bei einem Trend nicht dabei zu sein.
- Sammelleidenschaft: Aktien werden wie Briefmarken gesammelt, ohne klare Strategie.
- Medieneinflüsse: Tipps aus Magazinen, YouTube oder Foren verleiten zum Kauf.
- Fehlender Plan: Ohne definiertes Ziel wird jeder Kauf zur spontanen Entscheidung.
Mit der Zeit entsteht ein bunt gemischtes Sammelsurium an Aktien, das kaum noch einen roten Faden hat.
Psychologische Fallen beim Sammeln von Aktien
Ein Depot mit 50 oder 100 Positionen vermittelt auf den ersten Blick Sicherheit. Man denkt: „So kann mir nichts passieren.“ Doch in Wahrheit sind es oft genau diese vielen kleinen Posten, die die Performance ausbremsen. Denn man schenkt ihnen nicht die nötige Aufmerksamkeit, verliert den Überblick über Quartalszahlen und Entwicklungen – und läuft Gefahr, Fehlentscheidungen zu treffen.
Weniger ist mehr: Die Vorteile eines fokussierten Depots
Bessere Übersicht und weniger Stress
Mit weniger Aktien im Depot ist das Monitoring deutlich einfacher. Ich weiß genau, welche Unternehmen ich habe, kenne ihre Geschäftsmodelle und verstehe, warum ich investiert bin. Statt jeden Tag auf Kursbewegungen zu starren, kann ich mich auf die wesentlichen Kennzahlen konzentrieren.
Ein aufgeräumtes Depot gibt mir das Gefühl, die Kontrolle zurückzugewinnen. Die permanente Unruhe weicht einer klaren Struktur.
Klare Strategie statt blindem Aktionismus
Viele Aktien im Depot verleiten dazu, ständig zu handeln. Bei einer schlechten Nachricht wird hektisch verkauft, bei einem Kurssprung übereilt nachgekauft. Mit einem fokussierten Portfolio fällt es leichter, langfristig zu denken.
Wenn ich nur eine Handvoll ausgewählter Aktien halte, investiere ich automatisch mit mehr Überzeugung. Ich beschäftige mich intensiver mit jedem Unternehmen, analysiere Hintergründe und kann langfristige Trends besser einordnen.
Höhere Qualität statt Masse
Ein weiterer Vorteil: Mit weniger Titeln im Depot steigen die Anforderungen an jede einzelne Aktie. Ich frage mich: „Verdient dieses Unternehmen wirklich einen Platz in meinem Depot?“ Nur die besten, robustesten und aussichtsreichsten Aktien schaffen es hinein.
So entsteht ein Portfolio, das nicht nur zufällig zusammengewürfelt ist, sondern einer klaren Qualitätsstrategie folgt.
Wie ich die richtige Anzahl an Aktien für mich definiere
Diversifikation vs. Konzentration
Die Kunst liegt im Gleichgewicht. Studien zeigen, dass man mit etwa 15 bis 20 Aktien bereits den größten Diversifikationseffekt erreicht. Alles darüber hinaus bringt kaum zusätzlichen Schutz, erhöht aber den Verwaltungsaufwand.
Für mich heißt das: Weniger als 10 Aktien wären mir persönlich zu riskant, da ich dann stark von einzelnen Unternehmen abhängig wäre. Mehr als 30 brauche ich aber definitiv nicht, weil ich dann kaum noch in der Tiefe analysieren kann.
Mein persönlicher Ansatz: Kern- und Satellitenstrategie
Ich verfolge die sogenannte Kern- und Satellitenstrategie:
- Kerninvestments: Solide, große Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen. Sie bilden das Fundament und sorgen für Stabilität.
- Satelliten: Kleine, dynamische Wachstumsunternehmen mit mehr Risiko, aber auch mehr Potenzial. Sie ergänzen den Kern, ohne das Gesamtbild zu gefährden.
Kriterien für die Aktienauswahl
Bevor eine Aktie ins Depot kommt, stelle ich mir drei Fragen:
- Verstehe ich das Geschäftsmodell? Wenn ich nicht erklären kann, wie ein Unternehmen Geld verdient, lasse ich die Finger davon.
- Sind die Finanzkennzahlen solide? Umsatz, Gewinn, Verschuldung, Cashflow – diese Basics müssen stimmen.
- Gibt es einen langfristigen Trend? Ich suche nach Firmen, die von Megatrends wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder demografischem Wandel profitieren.
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Praxis: So gehe ich beim Depot-Aufräumen vor
Analyse der bestehenden Positionen
Zuerst schaue ich mir jede einzelne Aktie im Depot genau an. Ich prüfe: Passt sie noch zu meiner Strategie? Entspricht sie meinen Kriterien? Wenn nicht, landet sie auf der Streichliste.
Trennung von „Beifang“-Aktien
Über die Jahre sammeln sich Aktien an, die man eigentlich nie so richtig wollte. Vielleicht war es ein Tipp von Freunden, vielleicht eine spontane Entscheidung. Solche Titel bezeichne ich als „Beifang“ – und sie sind die ersten, die ich konsequent aussortiere.
Fokussierung auf Überzeugungstitel
Am Ende bleiben nur die Unternehmen übrig, an die ich wirklich glaube. Das sind meine Überzeugungstitel. Sie bekommen im Depot ein höheres Gewicht, und ich kann sie mit ruhigem Gewissen langfristig halten.
Risiken einer zu starken Konzentration
Natürlich hat auch eine Fokussierung ihre Schattenseiten. Ein sehr konzentriertes Depot kann stark schwanken, wenn eine der Hauptaktien in Schwierigkeiten gerät. Auch Branchen- oder Länderfokus kann gefährlich werden: Wer nur auf Tech-Aktien aus den USA setzt, riskiert hohe Abhängigkeiten.
Deshalb gilt: Konzentration ja – aber mit Augenmaß. Für mich bedeutet das, dass ich bewusst Schwerpunkte setze, aber immer darauf achte, nicht zu einseitig zu werden. Ein gesunder Branchenmix und eine gewisse regionale Streuung bleiben wichtig.
Fazit: Mehr Klarheit und bessere Renditen durch weniger Aktien
Die Entscheidung, die Zahl meiner Aktien zu reduzieren, war ein Wendepunkt. Ich habe erkannt: Ein überladenes Depot ist keine Stärke, sondern eine Schwäche. Es kostet Zeit, Energie und am Ende auch Rendite.
Mit einem fokussierten Portfolio halte ich nur noch Aktien, die ich wirklich verstehe und an die ich glaube. Dadurch habe ich mehr Klarheit, weniger Stress und bessere Chancen, meine finanziellen Ziele zu erreichen.
Weniger Aktien bedeuten für mich nicht weniger Chancen – sondern mehr Qualität, Kontrolle und langfristigen Erfolg.
👉 Und jetzt bist du dran:
Wie viele Aktien hältst du aktuell in deinem Depot? Fühlst du dich wohl damit oder bist du manchmal überfordert? Teile deine Gedanken in den Kommentaren und lass uns gemeinsam darüber diskutieren, wie wir unsere Depots klarer und fokussierter gestalten können.
Disclaimer
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