Es gibt Finanzprodukte, die wirken auf den ersten Blick wie ein Zaubertrick: hohe laufende Ausschüttungen, monatlicher Cashflow, gleichzeitig eine große Tech-Ikone im Hintergrund. Wer könnte da widerstehen? Doch wie so oft an der Börse gilt: Je verlockender das Angebot, desto genauer sollte man hinschauen. Heute nehmen wir uns ein solches Produkt vor – den IncomeShares META Options ETP (ISIN XS2901885553, WKN A4A52U, Ticker METY).
In diesem Beitrag klären wir, was hinter diesem Exchange Traded Note (ETN) steckt, wie die Strategie funktioniert, welche Chancen und Risiken damit einhergehen – und beantworten am Ende die entscheidende Frage: Sollten langfristig orientierte Privatanleger jetzt zugreifen oder lieber Abstand halten?
Was steckt hinter dem IncomeShares META Options ETP?
Beginnen wir mit den nüchternen Eckdaten:
- Produktart: Exchange Traded Note (ETN), aufgelegt in Irland
- Emittent: Leverage Shares
- Fokus: Meta Platforms Inc.
- Strategie: Covered-Call-Strategie auf Meta-Aktien, aktiv verwaltet
- Kostenquote (TER): 0,55 % p.a.
- Ausschüttungen: monatlich, aktuell rund 20 % p.a.
- Fondsvolumen: gerade einmal ca. 1 Mio. € (Stand September 2025)
- Kursentwicklung seit Auflage: +22 % inkl. Ausschüttungen
Das klingt spektakulär: monatliche Ausschüttungen, satte zweistellige Rendite, ein bekanntes Unternehmen als Basis. Doch Vorsicht: Wir sprechen hier nicht von einem klassischen ETF, sondern von einem ETN. Das bedeutet, der Anleger erwirbt kein direktes Sondervermögen wie bei einem ETF, sondern eine Schuldverschreibung des Emittenten. Das bringt ein Emittentenrisiko mit sich – dazu später mehr.
Die zugrunde liegende Idee ist jedoch klar: Mit den starken Schwankungen der Meta-Aktie lässt sich etwas anfangen. Optionsstrategien können diese Volatilität in laufende Erträge ummünzen. Genau das versucht METY.
Funktionsweise: Wie funktioniert die Covered-Call-Strategie?
Das Grundprinzip nennt sich Covered Call. Stellt euch vor, ihr besitzt Meta-Aktien und schreibt gleichzeitig Kaufoptionen (Calls) auf diese Aktien. Für jede verkaufte Option kassiert ihr eine Prämie.
- Steigt die Aktie moderat oder bleibt seitwärts: Die Option verfällt wertlos, Ihr behaltet die Prämie und die Aktie. Perfekt.
- Steigt die Aktie stark über den vereinbarten Preis (Strike): Ihr müsst die Aktie zum Strike abgeben. Der Gewinn ist auf den Strike-Preis plus Prämie gedeckelt. Ihr verzichtet also auf den großen Jackpot.
- Fällt die Aktie: Ihr kassieren zwar die Optionsprämie, die Verluste auf die Aktie übersteigen sie aber rasch.
Ein zweiter Baustein, den IncomeShares gelegentlich nutzt, sind Cash-Secured Puts. Dabei verpflichtet sich der Fonds, Aktien zu einem bestimmten Preis zu kaufen, falls sie fallen. Auch hier gibt es eine Prämie. Sinkt Meta, wird der Fonds die Aktie ins Depot nehmen – mit einem kleinen „Rabatt“ durch die vereinnahmte Prämie.
Kurz gesagt: Der ETP verkauft regelmäßig Optionen auf Meta, kassiert dafür Prämien und reicht diese als monatliche Ausschüttungen an die Anleger weiter.
Das Ergebnis ist ein laufender Cashflow, der fast wie eine künstliche Dividende wirkt. Doch der Preis dafür ist klar: Das Kursplus von Meta ist gedeckelt. Wer an einen explosiven Anstieg glaubt, fährt mit der Aktie direkt besser.
Übrigens: Der IncomeShares META Options ETP ist nur ein Beispiel aus einer ganzen Produktfamilie. Nach demselben Strickmuster existieren auch Covered-Call-ETPs auf andere große Tech-Aktien wie Nvidia, Microsoft oder Amazon. Das Grundprinzip bleibt identisch – laufende Optionsprämien verwandeln Kursvolatilität in monatliche Ausschüttungen. Unterschiede ergeben sich vor allem aus der jeweiligen Aktie: Nvidia etwa lockt mit noch höheren Prämien dank extremer Schwankungen, Microsoft wirkt stabiler, bietet aber weniger Rendite. Allen gemeinsam ist jedoch: Es bleibt eine hochspezialisierte Wette auf nur ein Unternehmen.
Rendite & Ausschüttungen – ist das nachhaltig?
Ein Blick auf die bisherigen Zahlen wirkt geradezu berauschend:
- Gesamtrendite seit Auflage (26.09.2024 – 26.09.2025): +22,1 %
- Ausschüttungsrendite im ersten Jahr: ca. 20 %
- Monatliche Ausschüttungen: rund 0,15 € je Anteil, schwankend
Das bedeutet: Wer 10.000 € investiert hat, konnte innerhalb eines Jahres knapp 2.000€ an Ausschüttungen kassieren – monatlich auf das Konto überwiesen. Ein Cashflow-Traum für Einkommensjäger.
Doch die Frage ist: Wie nachhaltig sind diese 20 %?
Die Ausschüttungen stammen nicht aus Unternehmensgewinnen oder Dividenden, sondern aus Optionsprämien. Diese hängen von zwei Faktoren ab:
- Volatilität der Meta-Aktie: Je höher die Schwankungen, desto höher die Optionsprämien. Fällt die Volatilität, sinken auch die Ausschüttungen.
- Aktuelle Kurslage: Bei stark steigenden Kursen werden Calls häufiger ausgeübt. Der Fonds muss Aktien abgeben und kann nur begrenzt profitieren.
Die 20 % Rendite sind also ein Resultat der aktuellen Marktphase. Niemand sollte davon ausgehen, dass dieses Niveau dauerhaft gehalten werden kann. In Phasen niedriger Volatilität oder bei klaren Aufwärtstrends dürften die Ausschüttungen deutlich geringer ausfallen.
Kosten & Handel: TER, Spreads und Brokergebühren
Die TER von 0,55 % ist überraschend moderat für ein aktiv verwaltetes Produkt. Viele klassische Covered-Call-Fonds wie etwa der bekannte JEPI von J.P. Morgan liegen ähnlich. Doch entscheidend sind andere Kostenfaktoren:
- Spread: Bei METY beträgt der Geld-/Brief-Spread derzeit etwa 5,7 %. Das ist enorm und für Privatanleger ein echtes Problem. Wer 10.000 € investiert, verliert allein durch den Spread sofort fast 600 €.
- Fondsgröße: Mit gerade einmal 1 Mio. € ist METY winzig. Geringe Liquidität verschärft das Spread-Problem. Zudem droht jederzeit die Schließung des Produkts, wenn es keine kritische Größe erreicht.
- Brokerkosten: Viele Broker bieten METY zwar im Sparplan an (z. B. Scalable ohne Ordergebühr), doch im freien Handel kann der Spread die Gebührenersparnis schnell auffressen.
Risiken: Von Volatilität bis Emittentenrisiko
Wer die glänzenden Ausschüttungen betrachtet, sollte auch die andere Seite der Medaille kennen.
- Volatilität: Meta ist ein Tech-Schwergewicht, aber kein ruhiger Dividendenzahler. Die Aktie schwankt stark, die 1-Jahres-Volatilität lag bei über 32 %. Entsprechend groß ist das Verlustrisiko.
- Maximum Drawdown: Seit Auflage lag der maximale Kursrückgang des ETPs bei –36%. Das zeigt: Auch mit Prämienpolster kann es ordentlich nach unten gehen.
- Konzentrationsrisiko: Das Produkt hängt an einem einzigen Titel. Geht es Meta schlecht, bricht der ETP ein – ohne Ausweichmöglichkeit.
- Emittentenrisiko: Als ETN ist METY eine Schuldverschreibung von Leverage Shares. Geht der Emittent pleite, haben Anleger ein Problem, auch wenn Aktien als Sicherheit hinterlegt sein sollten.
- Währungsrisiko: Meta notiert in USD, METY wird ebenfalls in USD geführt, aber in Euro gehandelt. Schwankungen im Dollar können die Rendite beeinflussen.
Kurzum: Die Risiken sind erheblich. Wer hier investiert, sollte genau wissen, worauf er sich einlässt.
Vergleich & Alternativen
Um METY richtig einzuordnen, lohnt der Blick auf andere Produkte:
- J.P. Morgan Equity Premium Income (JEPI): Beliebter Covered-Call-ETF auf US-Aktien, rund 6–10 % Ausschüttungsrendite, deutlich breiter gestreut, Fondsvolumen über 30 Mrd. USD.
- JEPQ: Fokussiert auf den Nasdaq 100, ähnlich wie JEPI, aber mit Tech-Bias. Ausschüttungen ebenfalls im hohen einstelligen Bereich.
- JEPG: Neuerer Ableger mit globalem Ansatz.
Vergleich zu METY:
- JEPI & Co. bieten breite Diversifikation und mehr Sicherheit, dafür niedrigere Ausschüttungen.
- METY konzentriert sich ausschließlich auf Meta, mit extrem hohen Erträgen, aber auch extrem hohem Risiko.
Für Einkommensjäger mit einem Faible für Tech kann METY spannend klingen – die Alternativen sind jedoch wesentlich stabiler und für die meisten Anleger die vernünftigere Wahl.
Einordnung im Depot: Wo passt METY überhaupt hin?
Hier sind wir bei der Königsfrage: Passt METY in ein langfristiges Buy-and-Hold-Depot?
Die ehrliche Antwort: Nur in homöopathischen Dosen.
- Als Kerninvestment: Völlig ungeeignet. Zu klein, zu riskant, zu illiquide.
- Als Beimischung: Vielleicht, wenn man experimentieren will und auf monatlichen Cashflow steht. Doch selbst dann sollte der Anteil im Depot nicht mehr als 1–2 % betragen.
- Für Einkommensjäger: Attraktiv wegen der Ausschüttungen, aber man muss wissen: Die 20 % sind nicht garantiert.
Ein ausgewogenes Dividendendepot lässt sich mit klassischen Qualitätsaktien oder breit gestreuten Dividenden-ETFs weit solider aufbauen. METY bleibt eine exotische Würze – kein Hauptgericht.
Fazit: Sollten Sie METY jetzt kaufen?
Nach all den Zahlen, Chancen und Risiken kommen wir zum entscheidenden Punkt.
Pro METY:
- Sehr hohe laufende Ausschüttungen (ca. 20 % p.a.)
- Monatliche Zahlungen als Cashflow-Boost
- Partizipation an Meta, einem global führenden Tech-Konzern
- Optionsstrategie kann bei seitwärts tendierendem Kurs attraktiv sein
Contra METY:
- Extremes Einzelwertrisiko (nur Meta)
- Begrenztes Aufwärtspotenzial durch Covered Calls
- Hohe Volatilität und Drawdowns (bis –36 %)
- Winziges Fondsvolumen (1 Mio. €) und große Spreads (ca. 5,7 %)
- Emittenten- und Währungsrisiko
- Ausschüttungen sind nicht nachhaltig garantiert
Unterm Strich gilt: Covered-Call-ETPs wie METY (und die Pendants auf Nvidia, Microsoft oder Amazon) sind spannende Instrumente, die monatlich klingende Ausschüttungen liefern können. Für Privatanleger mit einem langfristigen Buy-and-Hold-Ansatz sind sie jedoch eher Exoten im Depot – interessant fürs Experiment, aber gefährlich als Kernbaustein.
Wir werden das Thema testweise mit einer kleinen Position begleiten, um Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln. Als Standard-Empfehlung für den Durchschnittsanleger sehen wir solche Produkte allerdings nicht – dafür sind die Risiken, die Abhängigkeit von einer einzelnen Aktie und die potenziellen Renditeverzerrungen zu groß.
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