Erfolgreiches Investieren beginnt oft dann, wenn die Masse noch zögert. Während der breite Markt nach Orientierung sucht, kristallisieren sich bei einigen Qualitätsaktien spannende Kauf-Szenarien heraus. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf drei Favoriten unserer Watchlist, die jetzt reif für ein Depot-Upgrade sein könnten.

Airbus: Volle Auftragsbücher und leeren Werkshallen

Bei Airbus erleben wir derzeit eine Situation, die man als „Wachstumsschmerz in Reinkultur“ bezeichnen kann. Auf der einen Seite steht ein Auftragsbestand, der im März 2026 auf den Rekordwert von über 9.000 Flugzeugen angewachsen ist – das entspricht einer rechnerischen Auslastung der Produktion für die nächsten 10,4 Jahre. Auf der anderen Seite kämpft das Management mit einer Realität, die von Lieferketten-Störungen und operativen Engpässen geprägt ist. Wir sehen eine deutliche Diskrepanz zwischen den ehrgeizigen Auslieferungszielen und der tatsächlichen Produktion.

Die operative Krise: Warum die Auslieferungen stocken

Das erste Quartal 2026 war für Airbus statistisch gesehen eines der schlechtesten der letzten 20 Jahre. Mit lediglich 114 ausgelieferten Maschinen lag man nicht nur 16 % unter dem Vorjahreswert (136 Einheiten), sondern musste auch zusehen, wie der Erzrivale Boeing mit 143 Auslieferungen zum ersten Mal seit 2019 wieder die Führung übernahm.

Der zentrale Flaschenhals bleibt die Verfügbarkeit von Triebwerken. Besonders die Verzögerungen bei Pratt & Whitney (P&W) für die A320neo-Familie zwingen Airbus dazu, unfertige Flugzeuge auf dem Werksgelände zwischenzulagern. Hinzu kommen neue Qualitätsprobleme bei Rumpf-Paneelen und Engpässe in der Reparaturkapazität, die fertige Maschinen am Boden halten, bevor sie an Kunden übergeben werden können. Die Integration von Teilen des Zulieferers Spirit AeroSystems erhöht die operative Komplexität zusätzlich, auch wenn das langfristig die Kontrolle über die Lieferkette stärken soll.

Geopolitische Risiken: Middle East und China

Ein kritischer Faktor, den wir genau beobachten, ist das Engagement im Nahen Osten. Rund 9 % des Airbus-Auftragsbestands entfallen auf Fluggesellschaften aus dieser Krisenregion. Der aktuelle Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran führt bereits jetzt zu massiven Flugstreichungen und gefährdet die Lieferpläne für die nächsten 18 Monate. Zudem ist der wichtige Zulieferer Strata Manufacturing in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässig, was die Versorgung mit Strukturbauteilen für Großraumflugzeuge im Falle einer weiteren Eskalation gefährden könnte.

In China erwächst mit der COMAC C919 ein langfristiger Wettbewerber. Zwar fehlt dem Jet noch die europäische EASA-Zertifizierung (erwartet zwischen 2028 und 2031), doch Airbus-Chef Guillaume Faury warnt bereits vor einem „dritten Akteur“ mit tiefen staatlichen Taschen, der den asiatischen Markt aufmischen könnte.

Qualität und Bewertung

Airbus ist eine Qualitätsaktie, die mit 13/15 Punkte für langfristig orientierte Anleger als Investment gut geeignet ist. Das Unternehmen hat bewiesen, dass es langfristig Werte schafft und eine gute Rendite liefert.

Quelle: https://aktie.traderfox.com/visualizations/NL0000235190/EI/airbus-se

Trotz der aktuellen operativen Hürden liefert die fundamentale Bewertung ein spannendes Signal. Ein Blick auf die historische Bewertung zeigt, dass Airbus mit einem bereinigten KGV von 24,1 aktuell unter dem 10-Jahres-Durchschnitt von 25,8 notiert.

Quelle: https://aktienfinder.net/

Viel entscheidender ist jedoch die Prognose: Die Markterwartung deutet auf eine deutliche Kompression des KGV in Richtung 15 bis 2029 hin. Das bedeutet: Der Markt rechnet fest damit, dass Airbus seine operativen Probleme löst und das EPS (Gewinn pro Aktie) massiv steigert.

So richtig spannend wird des, wenn man noch zusätzlich eines Sicherheitsmarge kalkuliert und das bereinigte KGV sehr konservativ mit nur 22 ansetzt. Dann wäre die Aktie bei 150 EUR fair bewertet und man würde mit ca. 20% Rendite in den kommenden Jahren rechnen können.

Quelle: https://aktienfinder.net/

Finanziell Fein Einschätzung: Die kurzfristigen Risiken sind nicht wegzudiskutieren. Dass Boeing Airbus im ersten Quartal überholt hat, ist ein Warnschuss. Zudem sorgt die Verzögerung beim Wasserstoff-Projekt ZEROe (Einstieg erst ab 2040-2045 wahrscheinlich) für Ernüchterung bei den ESG-Ambitionen. Dennoch: Wer Qualität zum Preis von 165,92 EUR einsammelt, kauft ein Unternehmen mit einer Marktdominanz, die ihresgleichen sucht. Wir halten Airbus für kaufenswert, wollen aber unser Depot mit 30 Positionen nicht zu oft umschlagen. Daher setzen wir unser Kauflimit auf 150,00 EUR.Bei diesem Preis könnten wir uns sehr gut vorstellen, die Aktie anstelle eines anderen Wertes aufzunehmen.

Danaher Corporation: Ist der Dornröschenschlaf bald vorbei?

Die Danaher Corporation hat im April 2026 Zahlen für das erste Quartal vorgelegt, die den Markt gespalten haben. Während der bereinigte Gewinn pro Aktie (EPS) mit 2,06 USD die Erwartungen um 6,2 % schlug, blieb der Umsatz mit 6,0 Milliarden USD leicht hinter den Prognosen zurück. Dennoch beweist Danaher gerade seine enorme Widerstandsfähigkeit in einem schwierigen Marktumfeld.

Bioprocessing als Lokomotive, Diagnostics als Bremsklotz

Das Sorgenkind der letzten Jahre, der Bereich Bioprocessing, hat die Talsohle endgültig durchschritten. Mit einem Kernwachstum von 7 % ist dieses Segment wieder der Wachstumstreiber des Konzerns. Dies ist ein massives Signal, da hier die profitablen Verbrauchsmaterialien für die Biopharmabranche angesiedelt sind.

Demgegenüber steht eine Schwäche im Bereich Diagnostics. Ein Kernrückgang von 4% im ersten Quartal wird vom Management auf eine ungewöhnlich milde Atemwegssaison zurückgeführt, die die Nachfrage bei der Tochter Cepheid dämpfte. Wir sehen dies jedoch als temporären Effekt. Viel wichtiger ist die hervorragende Cash-Generierung: Danaher erzielte im Q1 einen freien Cashflow von 1,1 Milliarden USD, was einer Conversion-Rate von 105 % des Nettogewinns entspricht. Das ist „Danaher-Qualität“ par excellence.

Die Masimo-Wette: Strategischer Befreiungsschlag?

Die geplante Übernahme der Masimo Corporation für 9,9 Milliarden USD (180 USD pro Aktie) ist der größte M&A-Schritt seit Jahren. Danaher zahlt einen Aufschlag von 38 %, um sich die Marktführerschaft bei der nicht-invasiven Patientenüberwachung zu sichern. Skeptiker monieren den hohen Preis, doch wir vertrauen auf das Danaher Business System (DBS). Das Management rechnet bereits im ersten vollen Jahr nach Abschluss (geplant für H2 2026) mit einem positiven EPS-Beitrag von 15 bis 20 Cent. Zudem sollen Synergien in Höhe von 125 Millionen USD gehoben werden.

Qualität und Bewertung

Zwar erreicht Danaher nur 8 von 15 Punkten im Traderfox Qualitäts-Check. Aufgrund der M&A Strategie mit kontinuierlichen Abspaltungen einzelner Geschäftsbereiche sind die Kennzahlen bei Umsatz- und Gewinnwachstum nicht aussagekräftig. Mit einer durchschnittlichen Jahresperformance von über 11% in den letzten 10 Jahren hat Danaher bewiesen, dass man Wert für die Aktionäre schafft.

Quelle: https://aktie.traderfox.com/visualizations/US2358511028/DI/danaher-corp

Ein Blick auf den KGV-Chart offenbart eine seltene Einstiegsgelegenheit. Das bereinigte KGV von 22,2 liegt signifikant unter dem 10-Jahres-Durchschnitt von 26,75.

Quelle: https://aktienfinder.net/

Zwei Dinge sind hierbei bemerkenswert:

  1. Multiples-Kompression: Danaher notiert aktuell so günstig wie seit Jahren nicht mehr.
  2. Prognose-Trend: Das die Gewinne weiter steigen sollen, wird das KGV zudem immer günstiger. Der Markt scheint die Wachstumsbeschleunigung durch die Masimo-Übernahme und die Erholung in China (wo das Wachstum laut Q1-Bericht wieder anzog) noch nicht voll einzupreisen.

Bewertet man die Aktie tatsächlich nur mit einem bereinigten KGV von 22, so ergäbe sich bei einem Einstieg um die 169 USD eine jährliche Renditeerwartung von ca. 11%. Bei aktuellen Kurs von ca. 177 USD ist die Kaufschwelle nicht mehr weit entfernt.

Quelle: https://aktienfinder.net/

Finanziell Fein Einschätzung: Danaher ist für uns der Inbegriff einer „Buy-and-Check“-Aktie. Die operative Exzellenz ist ungebrochen, die Bilanz ist trotz der Masimo-Milliarden stark genug für weitere Zukäufe. Bei einem aktuellen Kurs von 177,25 USD kaufen wir Qualität mit einem Abschlag von fast 20 % zum historischen Bewertungs-Schnitt. Wir setzen unser Kauflimit von 169 USD.

LVMH: Einstiegschance des Jahrzehnts?

Wer die Geschichte von LVMH verfolgt, weiß: Bernard Arnault denkt nicht in Quartalen, sondern in Dekaden. Doch das erste Quartal 2026 hat selbst gestandene Luxus-Investoren erschüttert. Mit einem Kursverlust von 28 % verzeichnete LVMH den schlechtesten Jahresauftakt seiner gesamten Börsengeschichte – schlimmer als beim Platzen der Dotcom-Blase oder während der Finanzkrise 2008. Doch während die „schwachen Hände“ panisch verkauften, tat die Familie Arnault das, was sie am besten kann: Sie kaufte massiv zu und erhöhte ihren Anteil am Kapital auf über 50,01 %.

Q1 2026: Diversifikation hilft

Trotz des Kriegs im Nahen Osten, der das Gruppenwachstum um rund einen Prozentpunkt schmälerte, erzielte LVMH ein organisches Umsatzwachstum von 1 % auf 19,1 Milliarden EUR. In der Golfregion (ca. 6 % des Konzernumsatzes) brachen die Mall-Umsätze in Dubai teilweise um 50 % bis 70 % ein. Nur gut, dass LVMH weltweit tätig ist.

  • Asien (exkl. Japan): Mit einem organischen Plus von 7 % zeigt China eine beeindruckende Erholung. Die Sorgen vor einem dauerhaften „Luxury Slump“ im Reich der Mitte scheinen übertrieben.
  • USA: Ein Wachstum von 3 % beweist die Resilienz des amerikanischen Marktes.
  • Divisions-Check: Während die Kernsparte Mode & Lederwaren (-2 % organisch) unter dem fehlenden Nahost-Tourismus litt, glänzten Uhren & Schmuck (+7 % dank Tiffany & Co.) und Wines & Spirits (+5 % nach drei Jahren Durststrecke).

Kreative Erneuerung und operative Disziplin

Strategisch setzt LVMH auf den „Anderson-Effekt“. Jonathan Anderson hat bei Dior das Ruder übernommen, und die ersten Kollektionen werden vom Markt sehr gut aufgenommen. Gleichzeitig feierte Louis Vuitton das 130-jährige Jubiläum seines Monogram-Canvas mit neuen Flagship-Stores in Peking und Seoul, die eher an Museen als an Läden erinnern. Dies sichert die emotionale Bindung zu den Ultra-High-Net-Worth-Individuals, die immun gegen Inflation sind.

Qualität und Bewertung

Es wird auf Finanzblogs immer geschrieben, dass Luxus krisenresitenz ist, da wohlhabende Leute auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kaufen. Tatsächlich stimmen wir dem nicht zu. Denn schaut man sich Umsatz- und Gewinnentwicklung bei LVMH an, sieht man deutlich, dass beides einer gewissen Zyklik unterliegen.

Die Aktie hat sicherlich eine gewisse Qualität, aber mit nur 9 von 15 Punkten zählt sie nicht in die Top Liga. Neben der o.g. Zyklik gehen insbesondere Punkte für die erhöhte Volatilität und Kursstabilität sowie die schwache Performance in letzter Zeit verloren.

Quelle: https://aktie.traderfox.com/visualizations/FR0000121014/EI/lvmh-moet-hennessy-louis-vuitton-se

Gleichzeitig wird diese Unsicherheit mit einem Abschlag auf die Bewertung vergütet. Das bereinigte KGV von 21,6 notiert massiv unter dem 10-Jahres-Durchschnitt von 26,1.

Quelle: https://aktienfinder.net/

Angesichts der Prognose eines langfristig wieder zweistellig wachsenden Gewinns pro Aktie (EPS) bietet die Aktie erhebliches Aufwärtspotenzial, sobald die Bewertung (Multiple) zu ihrem historischen Mittelwert zurückkehrt.

Um eine angemessene Sicherheitsmarge zu gewährleisten und ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis sicherzustellen, setzen wir unser Kauflimit bei 440 EUR (aktueller Kurs: 472 EUR) fest. Auf diesem Niveau erwarten wir eine überdurchschnittliche Rendite

Quelle: https://aktienfinder.net/

Finanziell Fein Einschätzung: LVMH ist derzeit „unbeliebt“, aber fundamental ist guter Verfassung. Die kurzfristige Belastung durch den Iran-Krieg scheint eingepreist zu sein. Dass die Familie Arnault die Mehrheit am Kapital übernommen hat, sollte jedem Investor klarmachen, dass wir hier am Boden einer attraktiven Kaufgelegenheit stehen könnten. Wir legen den Preisalarm auf 440 EUR. Zu diesem Preis würden wir die LVMH Aktie in das Finanziell Feine Depot aufnehmen.

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