An der Börse werden selbst etablierte Unternehmen zeitweise abgestraft. Schwächere Quartalszahlen, enttäuschte Wachstumserwartungen oder ein Strategiewechsel können ausreichen, um die Bewertung eines Konzerns deutlich zu drücken. Für langfristig orientierte Anleger entstehen daraus mitunter interessante Gelegenheiten. Allerdings ist ein Kursrückgang allein noch kein Kaufargument. Entscheidend ist, ob die Ertragskraft eines Unternehmens unter Druck gerät oder ob der Markt vor allem auf kurzfristige Probleme reagiert.
Hinweis: Sämtliche Grafiken in diesem Artikel stammen vom Aktienfinder.
McDonald’s: Hohe Profitabilität, aber preisbewusste Kunden
McDonald’s zählt zu den bekanntesten Marken der Welt. Das Unternehmen profitiert von einer globalen Präsenz, standardisierten Abläufen und einem Franchise-Modell, das einen erheblichen Teil des operativen Geschäfts auf unabhängige Restaurantbetreiber verteilt.
Diese Struktur ermöglicht hohe Margen und vergleichsweise gut planbare Einnahmen aus Franchisegebühren und Mieten. Sie schützt McDonald’s allerdings nicht vollständig vor einer schwächeren Nachfrage.
In den vergangenen Jahren haben höhere Lebensmittel-, Personal- und Betriebskosten zu steigenden Menüpreisen beigetragen. Für preisbewusste Verbraucher ist ein Restaurantbesuch dadurch teurer geworden. Besonders in den USA steht McDonald’s vor der Aufgabe, das Preis-Leistungs-Verhältnis wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken.
Das Unternehmen reagiert unter anderem mit preisgünstigeren Angeboten, digitalen Bestellmöglichkeiten und einer stärkeren Ausrichtung auf Kundenbindung. Solche Maßnahmen können die Besucherzahlen stabilisieren, müssen aber sorgfältig kalkuliert werden: Rabatte helfen wenig, wenn sie zwar mehr Kunden anziehen, zugleich jedoch die Profitabilität belasten.
Die langfristige Investmentthese bleibt dennoch nachvollziehbar. McDonald’s verfügt über eine starke Marke, eine ausgeprägte internationale Infrastruktur und ein Geschäftsmodell, das weniger kapitalintensiv ist als der Betrieb sämtlicher Restaurants in Eigenregie.
Eine niedrigere Bewertung als in früheren Jahren könnte deshalb eine Gelegenheit eröffnen. Voraussetzung ist allerdings, dass die schwächere Nachfrage nicht dauerhaft auf Umsatzwachstum und Margen drückt.
So steht es um die Bewertung
McDonald’s notiert bei rund 233 Dollar. Das entspricht einem KGV von 18,9 und einem Forward-KGV von 17,5. Noch aussagekräftiger ist der Vergleich mit den vergangenen Jahren, den da lag das KGV durchschnittlich bei 25.

Das ist ein ungewöhnlich deutlicher Bewertungsrückgang.
Die operative Entwicklung rechtfertigt einen Teil davon. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die vergleichbaren Umsätze weltweit lediglich um 1,3 Prozent, in den USA um 0,8 Prozent. Der Umsatz des Konzerns legte um 4 Prozent zu, das operative Ergebnis um 3 Prozent und der Gewinn je Aktie um 6 Prozent.
McDonald’s wächst also derzeit nicht besonders schnell.
Das Entscheidende ist, dass die Ertragskraft dennoch hoch bleibt. Das Franchise-Modell ermöglicht hohe Margen und einen vergleichsweise geringen Kapitalbedarf auf Konzernebene. Gleichzeitig verfügt McDonald’s über eine enorme globale Reichweite und eine sehr starke Marke.

Allerdings beginnt das Unternehmen gerade einen neuen Investitionszyklus. Mit der NEXT-Strategie sollen Restaurants modernisiert, Technologie und künstliche Intelligenz ausgebaut sowie Franchisees finanziell unterstützt werden. McDonald’s plant dafür bis 2036 rund 8,5 Milliarden Dollar an Franchise-Unterstützung. Das Unternehmen erwartet langfristig eine Verbesserung der bereinigten operativen Marge in Richtung der niedrigen bis mittleren 50-Prozent-Spanne.
Das erhöht die langfristigen Möglichkeiten, bedeutet aber zunächst zusätzliche Ausgaben.
Was ist die Aktie wert?
Bei einem Forward-KGV von 17,5 wird McDonald’s bereits mit einem erheblichen Abschlag zu früheren Bewertungen gehandelt. Selbst wenn man nicht davon ausgeht, dass das alte KGV von 23 bis 25 zurückkehrt, erscheint eine Bewertung im Bereich von etwa 19 bis 21 auf mittlere Sicht vertretbar.
Legt man ein 20er KGV an, ergibt sich auf Basis der geschätzten Gewinnentwicklung ein jährliches Renditepotenzial von 12,6%.

McDonald’s muss nicht zu seinem früheren Bewertungsniveau zurückkehren, damit Anleger bei der heutigen Bewertung eine ordentliche Rendite erzielen können. Entscheidend ist, dass das vergleichbare Umsatzwachstum wieder etwas stärker wird und die hohen Investitionen tatsächlich zusätzliche Restaurantumsätze und Cashflows erzeugen.
Novo Nordisk: Der GLP-1-Markt wächst, doch der Wettbewerb nimmt zu
Novo Nordisk hat mit Ozempic und Wegovy den Markt für Diabetes- und Adipositasmedikamente entscheidend geprägt. Die Wirkstoffe des Unternehmens stehen für einen bedeutenden medizinischen und wirtschaftlichen Trend. Gleichzeitig hat sich die Börsenbewertung nach den außergewöhnlich hohen Erwartungen der vergangenen Jahre deutlich verändert.
Der Kursrückgang ist vor allem vor dem Hintergrund zu verstehen, dass Investoren inzwischen genauer auf Wettbewerb, Preisentwicklung, Produktionskapazitäten und die langfristige Wachstumsrate schauen.
Novo Nordisk verfügt weiterhin über eine starke Position im GLP-1-Markt. Neue Darreichungsformen, zusätzliche Indikationen und eine größere Produktionskapazität könnten das Geschäft langfristig unterstützen. Die Nachfrage nach wirksamen Therapien gegen Adipositas und Typ-2-Diabetes eröffnet grundsätzlich erhebliche Marktchancen.
Allerdings ist der Wettbewerb intensiver geworden. Eli Lilly hat sich ebenfalls als bedeutender Anbieter etabliert. Hinzu kommen Fragen zur Erstattung durch Gesundheitssysteme, zur Preisgestaltung und zur wirtschaftlichen Attraktivität neuer Medikamente.
Die operative Entwicklung muss daher im Zusammenhang mit den gesunkenen Erwartungen betrachtet werden. Eine niedrige Bewertung kann bedeuten, dass der Markt übertrieben pessimistisch ist. Sie kann aber ebenso Ausdruck einer realistischeren Einschätzung des zukünftigen Wachstums sein.
Für Anleger ist deshalb entscheidend, welche Gewinne Novo Nordisk in den kommenden Jahren tatsächlich erzielen kann. Historische Höchstbewertungen sind dafür kein verlässlicher Maßstab.
So steht es um die Bewertung
Die Aktie kostet rund 33,15 Euro. Das KGV beträgt lediglich 9,5, das Forward-KGV 11,8. Der Bewertungsrückgang ist also real und massiv.

Aber die Gewinne sind auch nicht mehr auf dem Wachstumspfad, den der Markt noch vor zwei Jahren eingepreist hatte.
Im zweiten Quartal 2026 stieg der bereinigte Umsatz währungsbereinigt um 7 Prozent, das bereinigte operative Ergebnis um 11 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet Novo Nordisk inzwischen ein bereinigtes Umsatz- und operatives Gewinnwachstum von 0 bis minus 6 Prozent. Die Prognose wurde gegenüber der vorherigen Spanne von minus 4 bis minus 12 Prozent allerdings verbessert.
Das ist der entscheidende Punkt. Ein KGV von 9 wäre für ein Unternehmen mit dauerhaft zweistelligem Gewinnwachstum außergewöhnlich niedrig. Für ein Unternehmen, dessen Gewinn im laufenden Jahr möglicherweise leicht zurückgeht, ist ein KGV von 9 dagegen weniger spektakulär – aber immer noch nicht hoch.
Novo verfügt zudem weiterhin über erhebliche operative Stärken. Der ROIC liegt bei rund 39 Prozent, der ROE bei knapp 60 Prozent. Das sind außergewöhnlich hohe Werte.

Die Risiken liegen auf der Marktseite: Eli Lilly ist ein starker Wettbewerber, Preis- und Erstattungsfragen gewinnen an Bedeutung, und die hohen Wachstumserwartungen der Vergangenheit sind verschwunden.
Was ist die Aktie wert?
Selbst wenn man Novo Nordisk künftig nicht mehr mit einem KGV von 25 oder 30 bewertet, erscheint eine Bewertung von etwa 14 bis 17 auf normalisierte Gewinne nicht unplausibel. Damit besteht ein erheblicher Bewertungsabschlag. Allerdings muss dieser Abschlag teilweise bestehen bleiben, solange das Gewinnwachstum unsicher ist.
Legt man nun ein 14er KGV als fair an, so kommt man auf eine Renditeerwartung von über 18% p.a. Rund 5% davon trägt die zwischenzeitlich deutlich gestiegene Dividendenrendite bei.

Die Aktie ist nach den heutigen Kennzahlen klar billiger als noch vor einigen Jahren. Die entscheidende Frage ist, ob die Gewinne nach der aktuellen Wachstumsdelle wieder nachhaltig steigen. Gelingt das, ist die heutige Bewertung niedrig. Bleibt das Wachstum dauerhaft schwach, relativiert sich der vermeintliche Schnäppchencharakter.
Rollins: Ein defensives Geschäftsmodell ist nicht automatisch günstig
Rollins ist auf Schädlingsbekämpfung spezialisiert und betreibt mit Orkin eine international bekannte Marke. Das Geschäft ist vergleichsweise wenig konjunkturabhängig: Privatpersonen und Unternehmen müssen Schädlingsprobleme häufig unabhängig von der allgemeinen Wirtschaftslage lösen.
Wiederkehrende Dienstleistungen, eine breite Kundenbasis und die Möglichkeit, kleinere Wettbewerber zu übernehmen, haben Rollins über viele Jahre zu einem attraktiven Wachstumsunternehmen gemacht.
Der jüngste Kursrückgang zeigt jedoch, dass auch defensive Unternehmen Bewertungsrisiken aufweisen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 8,9 Prozent auf knapp zwei Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis legte dagegen lediglich um 1,7 Prozent zu. Die operative Marge ging von 18,7 auf 17,5 Prozent zurück. Auch der operative Cashflow entwickelte sich schwächer.
Die Zahlen deuten darauf hin, dass höhere Umsätze allein nicht ausreichen. Personalkosten, Materialaufwendungen und die Integration übernommener Unternehmen können die Profitabilität belasten.
Hinzu kommt die Bewertung. Rollins wurde traditionell mit einem Aufschlag gegenüber vielen anderen Dienstleistungsunternehmen gehandelt. Das ist angesichts der stabilen Nachfrage und der langfristigen Wachstumsmöglichkeiten nachvollziehbar. Ein Kursrückgang macht die Aktie jedoch nicht automatisch günstig, wenn das Gewinnwachstum gleichzeitig nachlässt.
So steht es um die Bewertung
Rollins kostet derzeit nur noch 30,20 Dollar und wird mit dem 27,4-Fachen des aktuellen Gewinns sowie dem 25-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet. Auf den ersten Blick wirkt das weiterhin teuer.
Der historische Vergleich sieht allerdings ganz anders aus. In den letzte 10 Jahren lag das KGV regelmäßig zwischen 47 und 55. Die Aktie hat somit eine massive Bewertungsbereinigung hinter sich.

Das Problem: Nicht nur die Bewertung ist gefallen, auch das Gewinnwachstum hat sich verlangsamt.
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 8,9 Prozent, das operative Ergebnis dagegen nur um 1,7 Prozent. Die operative Marge sank auf 17,5 Prozent.
Rollins besitzt zwar ein hervorragendes Geschäftsmodell. Schädlingsbekämpfung ist wenig konjunkturabhängig, viele Leistungen werden wiederkehrend erbracht, und das Unternehmen kann durch Akquisitionen weiter wachsen.
Doch ein Unternehmen mit einem Forward-KGV von 25 ist auch nach einem Kursrückgang nicht billig.
Was ist die Aktie wert?
Für einen Qualitäts-Compounder mit hoher Kapitalrendite kann ein KGV von 27,5 durchaus gerechtfertigt sein. Ein deutlich höheres Multiple wie in den Jahren 2021 bis 2024 wäre dagegen schwer zu begründen, solange das Gewinnwachstum nicht wieder beschleunigt.
Nimmt man nun das aktuelle KGV, so ergibt sich eine rechnerische Renditeerwartung von 13%, was durchaus attraktiv ist. Rund 3% davon stammen aus der Dividende.

Rollins ist heute wesentlich günstiger als früher. Das macht die Aktie interessant, aber noch nicht zu einem eindeutigen Value-Schnäppchen. Ob die Aktie auf dem aktuellen Niveau attraktiv bewertet ist, hängt wesentlich davon ab, ob die operative Entwicklung wieder mit dem Umsatzwachstum Schritt hält.
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